Bürgermeisterin Alice Gerken zur Corona-Situation

Liebe Ganderkeseerinnen, liebe Ganderkeseer,

zur Eindämmung der Corona-Pandemie leben wir seit vielen Wochen mit starken Beschränkungen unserer persönlichen Freiheiten. Schulen und Kindertagesstätten wurden geschlossen, viele Geschäfte, Restaurants und Friseurläden mussten ihren Betrieb zwischenzeitlich ein- oder komplett umstellen. Damit waren und sind schwere Folgen nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für unsere Gesellschaft verbunden.

Der Umgang und das Miteinander haben sich stark geändert. Viele vermissen die gewohnte Geselligkeit. Beim Einkauf oder bei der Arbeit tänzeln wir umeinander herum, bloß kein zu naher Kontakt! Bei aller Notwendigkeit bleiben diese neuen Rituale für mich vor allem eines: befremdlich. Das sind eigentlich nicht wir. Es heißt immer: „Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln.“ Das ist mit diesen Schutzmasken kaum möglich.

Am härtesten trifft es zurzeit die Bewohnerinnen und Bewohner von Senioren- und Pflegeheimen. Zu ihrem Schutz wurden strenge Kontaktsperren auch zu engen Angehörigen auferlegt. Doch auch Einsamkeit kann krankmachen und im schlimmsten Fall jeden Lebensmut nehmen.

Auf der anderen Seite zeigen sich inzwischen auch die Erfolge der Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung: Dank des insgesamt sehr disziplinierten Verhaltens konnte die Ausbreitung des Virus in Deutschland verlangsamt werden. So wurde die Funktionsfähigkeit unseres Gesundheitssystems erhalten und Zeit gewonnen für die Entwicklung von Impfstoffen oder Medikamenten.

Ich würde es mir wünschen, aber die Corona-Krise ist noch längst nicht überwunden. Alle Schritte zurück zum „Alltagsbetrieb“ müssen sorgsam abgewogen werden. Massenveranstaltungen wird es auch auf Sicht gar nicht – oder nur unter großen Auflagen – geben können. Dorffeste, Straßenfeste, Schützenfeste – zurzeit keine Chance.

Die Öffnung der Wirtschaft nimmt dennoch langsam Fahrt auf: Nach den Einzelhandelsgeschäften sind auch die Frisöre wieder erreichbar – verbunden mit strikten hygienischen Vorschriften. Um zu einem „neuen Alltag“ zu gelangen, müssen wir uns anpassen. Dazu gehört leider vorerst auch das Tragen von Mund-/Nasenschutz beim Einkaufen oder beim Besuch im Rathaus. Auch das Händeschütteln verkneifen wir uns besser weiterhin.

So merkwürdig sich vieles noch anfühlt, einiges hat sich inzwischen schon eingespielt. Das Arbeiten im Homeoffice etwa hat sich für die meisten als Alternative zur Büroarbeit bewährt. Doch gerade für Eltern mit kleinen Kindern ist die Doppelbelastung aus Betreuung und Arbeit am Laptop auf Dauer kaum zu wuppen. Nach und nach werden die Schulen und Kitas jetzt wieder geöffnet und die Betreuungsangebote erweitert. Vorausgesetzt, die Infektionszahlen bleiben gering, dürfte nach den Sommerferien wieder ein Stück weit Normalität einkehren.

Mein großer Dank gilt allen Menschen, die sich in dieser Krise besonders verdient machen: den Kassiererinnen im Supermarkt, den Pflegekräften im Seniorenheim, den Schwestern und Pflegern im Krankenhaus, aber auch unseren Polizisten. Sie alle nehmen Risiken in Kauf, um
Bedürftigen und Älteren zu helfen und die öffentliche Sicherheit aufrechtzuerhalten. Dies verdient große Anerkennung, die sich nach der Krise auch endlich in einer angemessenen Bezahlung ausdrücken sollte.

Die Folgen der Corona-Krise werden die Weltwirtschaft noch lange beschäftigen. Für Deutschland bin ich vorsichtig optimistisch. Das Instrument der Kurzarbeit scheint zu greifen, viele Millionen Arbeitsplätze werden dadurch gesichert. Dennoch wird das alles an einer exportorientierten Wirtschaft wie unserer nicht spurlos vorübergehen. Es wird einige Zeit brauchen, bis wir uns von diesem Schock erholen. Am Ende ist es aber wichtiger, dass wir es hinbekommen und die Weichen für den Neustart richtig stellen.

Dazu gehört für mich, dass wir lebenswichtige und essenzielle Dinge wieder verstärkt im eigenen Land – möglichst sogar regional – produzieren und uns in sensiblen Bereichen nicht zu sehr auf komplexe internationale Lieferketten verlassen. Spätestens jetzt sollte sich die Erkenntnis durchsetzen, dass unser Gesundheitssystem nicht nur nach wirtschaftlichen Kriterien gestaltet werden darf. Viel mehr Geld müsste auch in die Forschung gesteckt werden in unserem an Bodenschätzen eher armen, aber an Ideen noch immer reichen Land.

Draußen ist der Frühling in vollem Gange. Mit der Öffnung von Cafés, Museen, Restaurants und Geschäften wird ein Stück weit das alte Lebensgefühl zurückkehren. Bestimmte Sportarten können wieder ausgeübt werden, vielleicht kann ja sogar bald das neue Ganderkeseer Freibad öffnen. Ganz persönlich freue ich mich besonders darauf, endlich wieder an die Nordsee zu fahren. Das alles wirkt befreiend nach den letzten Wochen, die vielen doch eher bleiern und düster vorgekommen sein mögen. Dennoch: Wir sollten die wiedergewonnene Lebensfreude nicht mit Sorglosigkeit verwechseln. Sonst wären die vielen kleinen Schritte der Öffnung gleich wieder in Gefahr.

In diesem Sinne: Seien sie weiter umsichtig, befolgen Sie die aufgestellten Regeln. Behalten Sie aber auch Ihre Lebensfreude, Ihren Humor und Ihren Optimismus. Nicht vergessen: „Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln.“ Vorerst muss das eben auch auf zwei Meter Abstand oder über Skype funktionieren. Bleiben Sie gesund! Alles Gute für Sie!

Ihre

Alice Gerken
Bürgermeisterin der Gemeinde Ganderkesee

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