Bürgermeisterin Alice Gerken zur Corona-Situation

Liebe Ganderkeseerinnen, liebe Ganderkeseer,

als ich neulich die Zeitung aufgeschlagen habe, ist mir eine Karikatur aufgefallen. Sie zeigt ein Virus mit einer Axt in der Hand. Das Virus hat soeben einen Baum gefällt. Dieser Baum steht für unser öffentliches Leben. Das Virus wendet sich ab und zieht weiter. Was es nicht bemerkt: Aus dem Baumstumpf sprießt neues Leben - und die beiden jungen Triebe heißen Solidarität und Kreativität. Beides, Solidarität und Kreativität, benötigen wir in diesen Zeiten mehr denn je.

Der Bund, das Land und die Kommunen haben mit starken Einschnitten in die persönlichen Freiheiten auf die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus reagiert. Schulen und Kindertagesstätten wurden geschlossen, viele Geschäfte und inzwischen auch Restaurants und Friseurläden mussten ihren Betrieb vorerst einstellen.

Wir alle sind davon betroffen. Neben der Sorge um die eigene Gesundheit und die unserer Liebsten, treibt uns vor allem die Ungewissheit um, wie sich die Dinge entwickeln werden. Sicher erscheint: Wir werden uns über einen längeren Zeitraum einschränken müssen, was die persönlichen Kontakte und das eigene Verhalten angeht.

Viele von uns arbeiten jetzt im Homeoffice, was für einige eine ganz neue Erfahrung ist. Gerade, wer zugleich kleine Kinder betreut, steht vor einer großen Herausforderung. Mein Respekt und Dank gilt daher allen Eltern, die diese Situation gerade meistern.

In Gedanken bin ich in diesen Tagen auch bei den Menschen, die sich in der Krise besonders verdient machen: bei den Kassiererinnen im Supermarkt, bei den Pflegekräften im Seniorenheim, bei den Schwestern und Pflegern im Krankenhaus, aber auch bei unseren Polizisten. Sie alle nehmen Risiken in Kauf, um Bedürftigen und Älteren zu helfen und die öffentliche Sicherheit aufrechtzuerhalten. Dies verdient große Anerkennung, die sich nach der Krise auch endlich in einer angemessenen Bezahlung ausdrücken sollte. Denn diese Berufsgruppen haben schon vor Corona viel geleistet.

Gerade in Krisenzeiten möchte man zusammenrücken. Aber wie geht das, wenn wir alle zwei Meter Abstand zueinander halten sollen? Wir müssen da kreativ werden. Wenn wir die eigenen Eltern oder Großeltern nicht mehr besuchen dürfen, müssen wir halt skypen. Wenn wir die schon etwas betagteren Nachbarn nicht mehr zum Frühstück einladen dürfen, so können wir ihnen doch unsere Solidarität zeigen, in dem wir die Einkäufe für sie erledigen.

Den einfachsten Beitrag leisten aber alle, wenn sie sich an die verfügten und inzwischen bekannten Auflagen halten.

Die aktuelle Situation ist nicht leicht, aber sie wird aber auch kein Dauerzustand sein. Es gilt jetzt, mit Mut und Entschlossenheit die Funktionsfähigkeit unseres Gesundheitssystems zu bewahren und die Schwächeren in unserer Gesellschaft zu schützen. Da sind wir alle gefragt, ohne Ausnahme.

Draußen beginnt langsam der Frühling, die Sonne lässt sich öfter blicken – und in den Gärten, Parks und Wäldern beginnt das Grün zu sprießen. Das erinnert mich an die anfangs erwähnte Karikatur:

Ja, an unser öffentliches Leben wurde durch das Corona-Virus buchstäblich die Axt angelegt. Doch es wird – dank unserer Kreativität und Solidarität – etwas Neues entstehen. Krisen bieten auch immer die Chance, sich neu zu erfinden.

Vielleicht müssen wir einige Entwicklungen im Zuge der Globalisierung hinterfragen. Sollten dringend benötigte Medikamente tatsächlich von wenigen Produzenten im fernen China hergestellt werden? Ist es wirklich sinnvoll, bei wichtigen Produktionsgütern auf komplizierte internationale Lieferketten und „Just-in-time-Production“ zu vertrauen? Waren wir auf dem richtigen Weg?

Vielleicht stellen wir in Zukunft die Weichen neu – in der Wirtschaft, in unserer Gesellschaft, im Privatleben.

In diesem Sinne: Seien sie umsichtig, befolgen Sie die aufgestellten Regeln. Behalten Sie aber auch Ihre Lebensfreude, Ihren Humor und Ihren Optimismus.

Der Plattschnacker würde sagen: Dat löppt sich allns torecht! Wir wollen es hoffen…

Bleiben Sie gesund! Alles Gute für Sie!


Ihre Alice Gerken
Bürgermeisterin der Gemeinde Ganderkesee

Nach oben