Adolf Bultmeyer (1902-1939)

Adolf Bultmeyer

Adolf Bultmeyer wird am 16. März 1902 in Hude geboren und wächst im Ortsteil Langenberg auf. Während der Nazi-Herrschaft lebt er gemeinsam mit seiner Ehefrau Anna im Birkenweg in Rethorn. Von Beruf ist Bultmeyer Streckenläufer im Telegrafendienst. Zuletzt arbeitet er bei der „Norddeutschen Wollkämmerei & Kammgarnspinnerei“ in Delmenhorst. 

Seit 1932 gehört Bultmeyer den Zeugen Jehovas an. Diese leisten erheblichen Widerstand gegen das NS-Regime. So werden der Kriegsdienst, die Eidesleistung auf Adolf Hitler und die Teilnahme an den damaligen unfreien Wahlen abgelehnt. 

Bereits Mitte der 1930er-Jahre bekommt Adolf Bultmeyer die Verfolgung durch das Regime zu spüren. Aufgrund angeblicher „politischer Vergehen“ wird er von einem Sondergericht in Oldenburg zu sechs Wochen Haft verurteilt, die er im Oktober und November 1936 in Delmenhorst verbüßt. Die genauen Hintergründe der Verurteilung sind nicht geklärt, sie steht aber vermutlich im Zusammenhang mit der Verfolgung der Zeugen Jehovas im Oldenburger Raum. 

Aufgrund seiner religiösen Überzeugungen lehnt auch Adolf Bultmeyer den Kriegsdienst kategorisch ab. Das hat dramatische Konsequenzen: Zu Kriegsbeginn wird er unmittelbar nach der Einberufung wegen seiner „weltanschaulichen und religiösen Einstellung“ verhaftet und ins Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit gebracht. Am 13. September 1939 wird er zum Tode verurteilt.

In einem bewegenden Brief spricht Adolf Bultmeyer tags darauf seiner Ehefrau Mut zu:

„Darum musst du, Anna, nicht traurig sein. Wenn ich den Feldzug mitgemacht hätte und wäre nicht wiedergekommen, dann wärest Du auch allein. Aber so bin ich für den Herrn gestorben. (…) Wir hätten noch ein paar Jahre zusammen sein können, vielleicht auch nicht. Darum sei stark und werde nicht schwach. (…) Und nun, Anna, lebt wohl und Kopf hoch. Will lieber wie ein Christ sterben als wie ein Heuchler. (…).“

Am 29. September um 16 Uhr wird Adolf Bultmeyer in das Gefängnis Plötzensee in Berlin eingeliefert. Er schreibt am 12. Oktober aus der Haft einen letzten Brief, in dem er seiner Ehefrau u.a. praktischen Rat gibt für ihr Leben nach seinem Tod:

„Und nun Anna, dies ist mein Abschiedsbrief. Du brauchst nicht wieder zu schreiben. Halte dir treu und brav und lasse den Mut nicht fallen. Vertrau auf Gott und es wird Dir an nichts mangeln. Auf Wiedersehn o Heimatland, auf Wiedersehn o Königreich. Und nun schreibe ich Dir zum letzten Mal: Sei nochmals gegrüßt und geküsst 1000-mal.“  

Am 13. Oktober 1939 wird Adolf Bultmeyer morgens um 06:05 Uhr im Gefängnis Berlin-Plötzensee hingerichtet. Sehr wahrscheinlich mit dem Fallbeil, der Guillotine. 

Seine Witwe Anna Bultmeyer bemüht sich 1939 und 1940 um Auskünfte über die Grabstätte ihres Mannes. Vergeblich. Anna Bultmeyer wird nach dem Krieg als Hinterbliebene eines politischen Häftlings anerkannt. Sie lebt bis zu ihrem Tod im Jahr 1991 im Birkenweg in Rethorn.

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Im November 2021 wurde zur Erinnerung an Adolf Bultmeyers Schicksal eine Gedenktafel errichtet. Sie befindet sich am nördlichen Ende des Birkenwegs in Rethorn.

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