Do. 15. April 21

So erlebt Pułtusk die Pandemie

Musiker mit Maske: die Statue zur Erinnerung an den aus Pułtusk stammenden Musiker und Komponisten Krzysztof Klenczon (1942-1981). Archivfoto: Piotr Kazimierczak

Harte Beschränkungen in polnischer Partnerstadt

Die Corona-Pandemie hat nicht nur Deutschland im Griff. Auch in Ganderkesees Partnerstadt Pułtusk gelten spürbare Beschränkungen für das öffentliche und private Leben. Dabei hat es unser polnisches Nachbarland hart getroffen: Die 7-Tage-Inzidenz lag um Ostern knapp unter 500, inzwischen liegt sie bei 395. Die Infektionsrate der Bevölkerung ist mit 6,9 Prozent fast doppelt so hoch wie in Deutschland. Fast 60.000 Menschen sind in Polen an oder mit SARS-CoV-2 gestorben – bei nur rund 37,8 Millionen Einwohnern.

„Seit dem 31. März haben wir in Polen einen fast vollständigen Lockdown“, berichtet Agnieszka Niesiobędzka, die in der Verwaltung von Pułtusk für Städtepartnerschaften zuständig ist. „Die Regierung hat die Maßnahmen gerade bis zum 25. April verlängert.“ Was durchaus nachvollziehbar ist: „Wir haben einen Rekordstand bei den Verstorbenen.“ Am 14. April starben 803 Menschen mit oder an einer Corona-Infektion, an einzelnen Tagen waren es sogar noch mehr. Vor Ostern waren über 35.000 neue Infektionen am Tag gezählt worden, aktuell noch rund 21.000. 

Zurzeit ist Pułtusk selbst weniger stark von der Pandemie betroffen als umliegende Regionen. Vor allem im 60 Kilometer entfernten Warschau sind die Infektionszahlen sehr hoch. Im Landkreis Pułtusk, zudem auch die Stadt gehört, gab es etwa am 7. April 15 neue Infektionen. „Bei uns ist die Situation aber wie im Rest des Landes, es gelten die gleichen Regeln“, erklärt Niesiobędzka. „Wir in der Verwaltung arbeiten online. Alle geplanten Vorhaben und Investitionen werden weiter durchgeführt.“ 

Auf den Alltag hat der Lockdown jedoch große Auswirkungen. Friseure, Kosmetiker, Einkaufszentren (mit Ausnahmen für den Lebensmittelhandel), aber auch Schulen, Kindergärten, Kinos und Theater müssen zurzeit geschlossen bleiben. Sportanlagen sind geschlossen, auch – anders als etwa in Niedersachsen – Tennisplätze. Auch Möbelhäuser und Baumärkte über 2.000 Quadratmeter sind betroffen. Geschäfte, Banken und Tankstellen dürfen nur mit extra bereitgestellten Handschuhen oder nach dem Desinfizieren der Hände betreten werden.

Verstöße gegen Corona-Regeln können in Polen mit 5.000 bis 30.000 Zloty Strafe geahndet werden. Das entspricht etwa 1.100 bis 6.700 Euro.

Trotz Abstandsauflagen waren die Kirchen zu Ostern gut besucht, erklärt Piotr Kazimierczak, der im Krisenmanagement der Stadt Pułtusk eingesetzt ist. „Die traditionelle Essenssegnung war jedoch unter freiem Himmel.“

Impfungen finden bislang in Gesundheitszentren und Kliniken statt. „Aktuell werden die Menschen über 80, über 70 und dann über 60 geimpft“, berichtet Kazimierczak. „Außerdem sind die Beschäftigten im Gesundheitsbereich, die Polizei, Feuerwehrleute und chronisch Kranke impfberechtigt.“ Zurzeit werde ein Zentrum für Massenimpfungen vorbereitet, dass am 19. April die Arbeit aufnehmen soll. Die Impfquote für Polen wird aktuell mit 15,41 Prozent angegeben. 5,65 Prozent sind bereits zweifach geimpft – ähnliche Werte wie in Deutschland.

„Auch angesichts der großen Anzahl an Erkrankten und trotz der geltenden Regeln geht das Leben irgendwie normal weiter“, erzählt Kazimierczak. „Die Menschen haben die Pandemie aber satt“, hat er festgestellt. „Einige haben Angst, viele jedoch auch Langeweile.“

Der ursprünglich für 2020 geplante Besuch einer Reisegruppe aus Pułtusk in Ganderkesee kann aufgrund der Pandemiesituation auch in diesem Jahr nicht stattfinden. Ein neuer Anlauf ist für 2022 angedacht.

Nach oben