Mi. 22. Juni 22

„Frag nach Lilo“: Ganderkesee feiert – aber sicher!

Gleichstellungsbeauftragte und GGV setzen beim Fasching auf unkomplizierte Hilfe gegen sexuelle Belästigung

Mit der Frage nach „Lilo“ können Menschen, die sich beim Faschingfeiern im Stadion bedrängt oder belästigt fühlen und Hilfe brauchen, an die Security, Thekenkräfte sowie Sanitäterinnen und Sanitäter wenden. „Diese Frage funktioniert als Code, sodass das Personal sofort Bescheid weiß, schnell reagieren und den Betroffenen unkompliziert ohne Nachfragen und Rechtfertigungen helfen kann. Die Person wird dann zum Beispiel in einen geschützten Bereich gebracht, es wird ein Taxi gerufen oder Begleitung und Hilfe organisiert“, erklärt Britta Hauth, Gleichstellungsbeauftragte beim Landkreis Oldenburg, die das Konzept schon erfolgreich beim Gildefest in Wildeshausen eingesetzt hat. 

„Unsere GGV hat sofort zugestimmt diese Kampagne auch beim Faschingswochenende umzusetzen. Auch die Gastronomen, das DRK und die Security haben das Konzept gleich unterstützt“, berichtet die Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Ganderkesee, Katrin Gaida-Hespe. Sie trägt dafür Sorge, dass die für das Konzept notwendigen Schulungen stattfinden und Plakate sowie andere Materialien zur Verfügung stehen um auf die Kampagne aufmerksam zu machen. Die Plakate werden auf dem Veranstaltungsgelände eingesetzt und senden gleichzeitig das Signal aus, dass beim Fasching Belästigungen und andere Übergriffe nicht toleriert werden. Auch Social-Media-Beiträge werden die Präventionskampagne „Ganderkesee feiert. Aber sicher!“ bekanntmachen. 

Unterstützt wird die Kampagne von der Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt an Mädchen und Frauen, „Wildwasser“ Oldenburg. Diese veranstaltet entsprechende Schulungen für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Außerdem übernimmt „Wildwasser“ eine mögliche Nachbetreuung von Betroffenen und bietet allen Ratsuchenden einen Schutzraum, in dem ihnen mit Wertschätzung und Verständnis begegnet wird. 

Laut Statistik erfährt jede dritte Frau in ihrem Leben mindestens einmal massive Gewalt. So vielfältig wie die Umstände, unter denen Frauen Gewalt erfahren, sind auch die Formen der Übergriffe. Eine häufige Form der Gewalt gegen Frauen ist sexuelle Belästigung. Etwa drei Viertel der Frauen (74,2 Prozent) und ein Viertel der Männer (27,2 Prozent) wurden im Erwachsenenalter schon einmal sexuell belästigt. Jede siebte Frau wird Opfer schwerer sexualisierter Gewalt. „Das ist ein Thema, für das wir Gleichstellungsbeauftragten sensibilisieren wollen, denn die Dunkelziffer ist bestimmt noch viel größer“, sagt Britta Hauth. Und ihre Ganderkeseer Kollegin Katrin Gaida-Hespe betont: „Jegliche Gewalt gegen Mädchen und Frauen ist inakzeptabel und darf nicht geduldet werden. Jedes Mädchen, jede Frau, jeder Mensch in einer Notsituation muss schnelle Hilfe und Unterstützung bekommen.“

(Foto: Bei einer Schulung wurden in dieser Woche gezielt Multiplikatoren sensibilisiert, die ihr Wissen an das vor Ort eingesetzte Personal weitergeben. Das Foto zeigt (vorne, v.l.) Silvio Voigt, Miriam Müllner und Uwe Behrens.)

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