Mo. 18. Januar 21

Gewerbeanmeldungen und Beschäftigung halten Niveau

Grafik: Gemeinde Ganderkesee/Christa Linnemann

Wirtschaftsförderung wertet unternehmensbezogene Statistiken aus

Sieht man sich die Statistiken der Gewerbemeldungen und der Beschäftigung für 2020 an, so könnte auf den ersten Blick der Eindruck entstehen, die Corona-Pandemie wäre an der Ganderkeseer Wirtschaft spurlos vorübergegangen. So wurden 233 Gewerbebetriebe im vergangenen Jahr angemeldet. Dies entspricht exakt dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Mit nahezu 9.000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen vor Ort wurde sogar ein leichtes Plus von 60 Stellen erzielt.

„Ein detaillierterer Blick auf das Zahlenwerk offenbart allerdings durchaus einen gewissen Corona-Effekt“, erläutert Wirtschaftsförderin Christa Linnemann. So würden von den im vergangenen Jahr angemeldeten Tätigkeiten 60 Prozent im Nebengewerbe ausgeübt, also neben einer Angestelltentätigkeit. In der vergangenen Dekade lag dieser Anteil mit einer kleinen Abweichung stets bei weniger als der Hälfte. „Nebengewerbliche Betätigungen dienen häufig als weiteres Standbein, um das Einkommen abzusichern oder aufzustocken oder um sich in unsicheren Zeiten eine Alternative aufzubauen“, erörtert Linnemann. Sie hätte in Beratungen aber auch mehrfach vernommen, dass unter anderem durch den Wegfall diverser Freizeitaktivitäten endlich die Zeit zur Verfügung stünde, schon länger gehegte Ideen umzusetzen.

„Zu den eher ungewöhnlichen Tätigkeiten zählten im letzten Jahr die Pferdeschur, die Herstellung von Hundehalsbändern und die Brandmalerei sowie die Personalisierung von Schuhen“, zitiert Linnemann aus den Gewerbeanmeldungen. Diese ließen zudem einen Trend zur Digitalisierung erkennen. So entfielen 14 Anmeldungen auf Online-Shops, elf auf Online-Marketing und zwölf auf andere IT-Dienstleistungen. Zu letzteren zählt neben der Online-Chat-Modera-tion auch der 3D-Druck, der erstmals in der Gewerbedatenbank auftaucht und mit drei Nennungen zu Buche schlägt. Im Vorjahr waren auf den gesamten digitalen Bereich nur 14 Meldungen und zwar fast ausschließlich auf den Online-Handel entfallen.

Die Anmeldungen gehen auf 258 Personen zurück, von denen ein knappes Drittel Frauen sind. Während der jüngste Gründer 18 Lenze zählt, stand der Älteste kurz vor seinem 83. Wiegenfest. Ein Viertel der Anmeldungen wurde von Personen jünger als 30 Jahre vorgenommen, ein weiteres gutes Viertel entfiel auf die Altersklasse der 30- bis unter 40-Jährigen.

Den 233 Anmeldungen stehen bislang 149 Abmeldungen gegenüber, sodass sich ein rechnerisches Plus von 84 Gewerbebetrieben ergäbe. „Allerdings ist erfahrungsgemäß hier bis Ende Februar noch mit diversen rückwirkenden Abmeldungen zu rechnen“, mahnt Linnemann vor verfrühter Euphorie. Manche würden auch noch später vorgenommen. Auch könne es durch das vorübergehend geänderte Insolvenzrecht zu verzögerten Abmeldungen und damit einem Plus im aktuellen Jahr kommen. Unabhängig davon müsse aber immer bedacht werden, dass ein solches Zahlenwerk keine Auskunft darüber gebe, welche Lebensträume und wirtschaftlichen Existenzen mit einer Geschäftsaufgabe zum Teil begraben würden.

Nach der jüngst veröffentlichten Statistik der Bundesagentur für Arbeit gingen zum Stichtag 30. Juni im vergangenen Jahr fast 9.000 Personen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in der Gemeinde Ganderkesee nach. Damit boten hiesige Arbeitgeber rund 60 Stellen mehr an als am Vergleichstag des Vorjahres. „Im Hinblick auf die Corona-Pandemie, die Ende Juni bereits mehr als drei Monate andauerte, mag diese Entwicklung durchaus überraschen“, kommentiert die Wirtschaftsförderin. Sie zeige jedoch, dass die überwiegend familiengeführten Unternehmen an ihren Mitarbeitern auch in Krisenzeiten so lange wie möglich festhielten. Hierfür sei auch vielfach das Instrument der Kurzarbeit genutzt worden, wie auch anhand diverser Anfragen gerade zu Beginn der Pandemie sichtbar geworden sei.

„Hinzu kommt, dass wir in Ganderkesee einen guten Branchenmix haben“, so Linnemann weiter. Dadurch hätte es auch diverse Unternehmen gegeben, die kaum beeinträchtigt worden seien oder sogar eine größere Nachfrage erfahren hätten. Darüber hinaus hätte Corona die Kreativität einiger Betriebe nochmals mehr angespornt und sie neue Betätigungsfelder entdecken lassen. „Zumindest ist die eine oder andere spannende Fördermittelanfrage bei mir eingegangen“, verrät Linnemann, ohne die Ideen konkret nennen zu dürfen. Sie hoffe, dass die Momentaufnahme des Arbeitsmarktes längere Gültigkeit besitze und die lokale Wirtschaft auch den aktuellen Lockdown gut überstehe.

34,8 % aller Stellen vor Ort wurden am 30.6.2020 von Ganderkeseern besetzt. Aber nicht nur das Arbeitsangebot vor Ort ist gewachsen, es waren zu diesem Stichtag auch nahezu 300 Ganderkeseer Bürger mehr in Lohn und Brot (13.334), 10.209 von ihnen außerhalb der Gemeinde. Gleichzeitig stieg die durchschnittliche Arbeitslosenquote für das Jahr 2020 auf 4,0 an, was einem leichten Plus von 0,6 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr entspricht.

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