Mi. 06. Januar 21

Weniger Trauungen, deutlich mehr Kirchenaustritte

Grafik: Gemeinde Ganderkesee

Statistik für 2020: Ehescheidungen weiter stark rückläufig

Die Lust aufs Heiraten ist in Coronazeiten offenbar gesunken: Im vergangenen Jahr haben sich in der Gemeinde Ganderkesee 147 Paare das Ja-Wort gegeben. 2019 waren noch 165 Eheschließungen verzeichnet worden, 2018 gab es mit 174 sogar einen Spitzenwert. Dennoch stellt die neue Zahl für 2020 keinen Erdrutsch dar. Eine echte „Delle“ war in den Jahren 2013 bis 2015 mit 131, 125 und 122 Trauungen zu beobachten.

Das Niveau der Jahre davor (2012: 163; 2011: 152; 2010: 142) ist trotz Pandemie und der damit verbundenen Feiereinschränkungen weiterhin in Sichtweite.
„Viele Paare haben ihre Trauungen abgesagt. Einige haben schon einen neuen Termin für 2021, andere wollen sich melden, wenn die Lage wieder übersichtlicher ist“, erläutert Gemeindesprecher Hauke Gruhn. „Ohne Corona hätten wir in etwa gleich viele Hochzeiten gehabt wie 2019.“

Als Trauungsort wurden das Ganderkeseer Rathaus (50), die Habbrügger Mühle (49) und das Amtshaus in Falkenburg (47) fast gleich oft nachgefragt. Trotz insgesamt weniger Hochzeiten konnte hierbei das Amtshaus einen deutlichen Zuwachs verbuchen – 2019 war dort nur 35-mal geheiratet worden. „Ein Hintergrund ist, dass es im Amtshaus etwas mehr Platz gibt als im Rathaus oder in der Mühle“, erklärt Gruhn. „Zudem hat sich das Amtshaus als relativ neuer Standort inzwischen fest etabliert.“

Insgesamt 28 Paare heirateten an einem Sonnabend. Auffällig ist hierbei die große Konstanz der letzten Jahre: 2019, 2018 und 2017 war es an jenem Wochentag mit 29 nur jeweils eine Hochzeit mehr.

Für Auswärtige ist Ganderkesee in Coronazeiten als Heiratsort sogar beliebter geworden. Bei 44 Eheschließungen in der Gemeinde kamen sowohl Braut als auch Bräutigam von außerhalb. Das waren deutlich mehr als 2019 (38), 2018 (40), und 2017 (31). Die Zahl der „Hochzeitseinpendler“ war 2020 dennoch ganz knapp niedriger als die der „Auspendler“: 45 Ganderkeseer Paare heirateten vor einem anderen Standesamt. 2019 waren es 52 Paare. 2018 hatte es noch – erstmals seit 2012 – einen positiven Saldo bei den Hochzeitspendlern gegeben. Drei Ehen wurden im Ausland geschlossen, wie schon in den beiden Vorjahren.

Vor allem einheimische Paare haben sich 2019 in Ganderkesee das Ja-Wort gegeben. Bei 94 Ehepaaren hatten beide Partner ihren Wohnsitz in Ganderkesee. 2019 stammten noch bei 116 von 165 Paaren beide Partner aus der Gemeinde. Die „Einheimischen-Quote“ bei den Trauungen sank damit auf knapp 64 Pro-zent, im Vorjahr lag sie noch bei gut 70 Prozent.

Bei 141 von 147 Hochzeiten hatten beide Partner die deutsche Staatsangehörigkeit.
Bei 65,3 Prozent der Eheschließungen in der Gemeinde war es für beide
Partner das erste Ja-Wort (2019: 66,6 Prozent; 2018: 62 Prozent; 2017: 61,5
Prozent; 2016: 54 Prozent).

In puncto Namenswahl entschieden sich die Brautpaare mehrheitlich für die traditionelle
Variante: 109 der 147 Paare (und damit rund 74 Prozent) wählten den
Familiennamen des Mannes. Hier ist die Tendenz jedoch rückläufig. 2019 wählten
noch 79 Prozent diese Option (2018: 82 Prozent; 2017: 77 Prozent; 2016:
84 Prozent; 2012 sogar einmal 91 Prozent). In 18 Fällen (12,2 Prozent) entschieden
sich beide Partner für den Familiennamen der Frau. „Das ist prozentual
ein neuer Höchstwert“, betont Gruhn. 2016 etwa habe diese Quote nur bei
3,8 Prozent gelegen.

Bei den Scheidungen war 2020 ein klarer Rückgang zu beobachten: 33 Paare
wurden geschieden, nach 44 im Vorjahr (2018: 53; 2017: 49). In der jüngeren
Vergangenheit gab es schon mal deutlich mehr beurkundete Trennungen: 2013
wurden 77 Scheidungen verzeichnet, 2003 sogar 87. Der Mittelwert der letzten
zehn Jahre liegt bei 48,5 Scheidungen pro Jahr. Ein niedrigerer Wert als die
jetzt verzeichneten 33 Ehescheidungen lässt sich in den Statistiken bis mindestens
Anfang der 1990er-Jahre nicht finden.

Mehr Ganderkeseer, nämlich 266, sind 2020 aus der Kirche ausgetreten. Im
Vorjahr waren es nur 223 – nach 245 in 2018, 227 in 2017, 169 in 2016, 187 in
2015, 253 in 2014 und 199 in 2013. Der höchste Wert wurde hier 1994 (274
Austritte) verzeichnet. Die zweithöchsten Werte – 1995 und 1999 jeweils 266 –
wurden 2020 egalisiert. „Der niedrigste Wert der letzten 20 Jahre wurde 2005
mit 112 verzeichnet“, berichtet Gemeindesprecher Gruhn. „Die Gründe für Kirchenaustritte
fragen wir nicht ab. Einige führten allerdings von sich aus die mit
Corona verbundene Kurzarbeit an.“ Der Mittelwert der letzten zehn Jahre liegt
bei 207,7 Kirchenaustritten pro Jahr.

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