Mi. 25. November 20

„Naturstadt – Kommunen schaffen Vielfalt“

Foto: Gemeinde Ganderkesee/Hauke Gruhn

Foto: Dr. Tim Roßkamp

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Foto: Dr. Tim Roßkamp

Gemeinde Ganderkesee im Bundeswettbewerb ausgezeichnet

Die Gemeinde Ganderkesee wird als eine von 40 Kommunen im bundesweiten Wettbewerb „Naturstadt – Kommunen schaffen Vielfalt“ für ihre Projektidee zur Förderung von Stadtnatur und Insekten im Siedlungsraum gewürdigt. Sie erhält ein Preisgeld in Höhe von 25.000 Euro aus Mitteln des Bun-desumweltministeriums für die Umsetzung des Zukunftsprojekts „Entwicklung des Neuenlander Moores als Schwerpunktbiotop für amphibische und faunistische Lebensräume, CO2-Speicherstätte und Naturerfahrungslandschaft“.

„Es gab insgesamt 322 Wettbewerbsbeiträge, daher freue ich mich umso mehr, dass die Projektidee der Gemeinde Ganderkesee bei der Jury so großen Anklang gefunden hat“, betont Bürgermeisterin Alice Gerken. „Der hohe Wert einer intak-ten Natur wird uns in einem Jahr wie diesem ganz besonders deutlich.“

„Die Moorlandschaft mit seinem Gesamtartenpotenzial wird sicher einen deutlichen Schub bekommen“, erklärt Carsten Wünker, Fachdienstleiter Natur. Er hatte das Projekt zur Entwicklung des Moores im Gemeindenorden ins Leben gerufen und für den Wettbewerb angemeldet. „Auch der neue Stellenwert als Erholungs-landschaft wird gestärkt“, so Wünker. Klar Erkennbares werde aber wohl erst in zwei bis drei Jahren zu sehen sein.

Bereits seit Anfang der 90er-Jahre organisiert die Gemeinde Blühflächeninitiativen. In den ersten Jahren wurden dafür nur landwirtschaftliche Flächen einbezogen. Mit dem Verschwinden großer Teile der Insektenpopulation wurden dann auch Gewerbeflächen, kommunale Flächen und Hausgärten einbezogen.

Da im nördlichen Bereich des Neuenlander Moores viele kleinteilige Grundstücksparzellen unabhängig voneinander genutzt bzw. bewirtschaftet, aber meistens als Brache belassen werden, beabsichtigt die Gemeinde Ganderkesee nun-mehr den Naturhaushalt in diesem Bereich weiterzuentwickeln.

„Die vorhandene Verbrachung bewirkt eine Verdrängung der bisherigen Wertigkeiten des Moorstandor-tes. Auch die fortgeschrittene Entwässerung des Moores hat die Wertewandlung beschleunigt“, berichtet Wünker. Für die natürlich im Moor vorkommenden Arten sei der Wasserstand nicht mehr ausreichend. „Für die Arten der südlich angrenzenden Geest ist der Standort hingegen zu nass und zu sauer.“

Ein im Jahr 2018 durchgeführtes Monitoring zeige – auch unter den Bedingungen eines heißen und trockenen Erkundungsjahres – auf offenen Flächen ein sehr gutes Vorkommen von Heuschrecken, allerdings begrenzte Vorkommen von Libellen und auch Amphibien sowie einer Reptilienart, so der Fachdienstleiter.

Zur Weiterentwicklung des Naturhaushaltes im Planungsraum sei die Offenhaltung und damit die Bewirtschaftung der Flächen als Grünland nötig. „Es ist geplant, aus dem sehr kleinteiligen Flächenzuschnitt Grundstücke zu größere Einheiten zusammenzufassen und dann ganzheitlich zu bewirtschaften“, erläutert Wünker. „Dies ermöglicht die Veränderung des Wasserstands in Teilbereichen des Moores. Damit erhöht sich das CO2-Bindungspotenzial des Moorstandortes.“ Die Erhöhung des Wasserstandes bringe auch die moortypische Vegetation ins Gleichgewicht und verhindere das – in diesem Fall unerwünschte – Aufkommen von Bäumen und Sträuchern.

Zur Stärkung der Flächen als Habitat für Amphibien, Reptilien und Libellen werden Kleingewässer in ausreichender Tiefe angelegt. In Verbindung mit einer Wasserstanderhöhung wird dann ein Lebensraum für alle Lebensphasen der Individuen entstehen.

"Für die Umsetzung des geplanten Entwicklungskonzeptes haben wir Kooperationspartner gefunden“, freut sich Wünker. Der Landkreis Oldenburg sei bezüglich des Themas „Wasserstandsanhebungen nebeneinanderliegender Flächen“ kompetent. Die NABU-Ortsgruppe Ganderkesee könne das Projekt als Bildungs- und Erfahrungskomponente den Bürgerinnen und Bürgern nahebringen. „Wir werden in Neuenlande künftig ein Moor mit vielen Möglichkeiten haben“, unterstreicht Bürgermeisterin Gerken.

Auch in den anderen 39 ausgezeichneten Kommunen geht es darum, Stadtnatur und Insekten zu schützen, die biologische Vielfalt zu fördern und städtisches Grün zukunftsorientiert weiterzuentwickeln. Informationen zu den 40 ausgezeichneten Projektideen finden sich unter www.wettbewerb-naturstadt.de.

Zum Hintergrund:
Der Wettbewerb „Naturstadt – Kommunen schaffen Vielfalt“ wird vom Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ durchgeführt und im Bundesprogramm Bio-logische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert.

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